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Verdauung im Ayurveda

Alles, was wir täglich zu uns nehmen, muss vom Organismus verarbeitet werden. Der Körper reagiert auf jede Nahrung, jedes Getränk, aber auch auf jeden Sinnesreiz augenblicklich. Dieser Verdauungsprozess findet in jeder Sekunde auf allen Ebenen statt, ob im Magen-Darm-Trakt, im Gehirn, in den Sinnesorganen oder in jeder Körperzelle, unser Körper ist permanent beschäftigt. In jeder Sekunde müssen 50 Millionen (!) neue Körperzellen produziert werden, um alte Zellen zu ersetzen. Dieser Umwandlungsprozess findet zunächst im Verdauungstrakt statt:

 

1. Der Magen

Die Verflüssigung und Durchmischung des Nahrungsbreis dauert etwa drei Stunden und führt dazu, dass die Nahrungsbestandteile gelöst und aufgeweicht werden, damit sie leichter weiterverarbeitet werden können. Aus diesem ersten Verdauungsprozess entsteht der erste Nahrungsbrei Ahara Rasa und Kapha. Diese werden dann zum Herzen transportiert und von dort in den gesamten Organismus verteilt, um die Gewebe mit hohem Kaphaanteil wie Muskeln, Fett, Gehirn zu ernähren.

 

2. Der Dünndarm

Pitta zerlegt den verflüssigten Nahrungsbrei durch enzymatische Säfte in seine kleinsten Bestandteile und macht sie so dem Körper zugänglich. Im Dünndarm findet der größte Teil der Resorption der Nahrung statt. Auch hier entsteht am Ende des Prozesses Ahara Rasa und Pitta, das vom Körper aufgenommen wird, um Organe mit hohem Pittaanteil, beispielsweise Augen, zu ernähren.

 

3. Der Dickdarm

Vata ist für den Transport und die Aufnahme der restlichen Nahrungsbestandteile wie Mineralien und hauptsächlich Wasser und Fette verantwortlich. Daher wird der verbliebene Rest des Nahrungsbreis immer trockener. Dank unzähliger von Darmbakterien werden auch die letzten Teile der Nahrung verwertet, bis nur noch der unverdaubare Stuhl übrigbleibt. Am Ende wird auch wieder Ahara Rasa und Vata resorbiert, um die Körpergewebe mit hohem Vataanteil, wie Nerven oder Knochen, zu ernähren.

 

Wenn alle Bedingungen innerhalb des Magen-Darm-Traktes optimal funktionieren, entsteht als erstes Körpergewebe das Rasa-Dhatu. Rasa-Dhatu ist die zirkulierende Flüssigkeit im gesamten Körper. 75 Prozent der inneren Umgebung des Organismus sind flüssig. Der substanzielle, qualitative und funktionelle Zustand von Rasa-Dhatu ist besonders wichtig. Rasa-Dhatu ist überall und ernährt alle Zellen und Organe. Trockenheit, Antriebslosigkeit und Lethargie sind das Ergebnis einer Störung.

Ein optimales Rasa-Dhatu führt im Körper zu einem Zustand der Zufriedenheit und des Wohlfühlens. Es erfrischt und erneuert den gesamten Organismus. Ein gestörtes, vermindertes Rasa-Dhatu kann man am besten am Zustand der Haut feststellen: faltige, schrumplige, glanzlose Haut ist das Ergebnis. Ein verschmutztes Rasa-Dhatu, z.Beispiel durch Ama, zeigt sich in Schwellungen unter den Augen.

Rasa-Dhatu ist auch deshalb so wichtig, da es als einziges Körpergewebe alle drei Doshas beinhaltet. Die Doshas, die aus der Verdauung heraus entstehen, benötigen Rasa-Dhatu, um an ihre Einsatzorte im Körper zu gelangen. Man braucht Rasa-Dhatu in der Ayurvedatherapie, um Giftstoffe und Doshas zu lösen und mit dem Verdauungstrakt aus dem Körper zu eliminieren.


 

Woran erkenne ich, dass mein Magen-Darm-Trakt nicht in Ordnung ist?

Nachfolgend eine Checkliste der wichtigsten Störungen im Magen/Darmtrakt.

Ø  Fehlen von Leichtigkeit im Bauchbereich

Ø  Unregelmäßige Entleerung/Verstopfung

Ø  Blähungen

Ø  Krämpfe

Ø  Appetitlosigkeit

Ø  Unverträglichkeiten

Ø  Stuhlauffälligkeiten/Durchfälle, intensiver Geruch

Ø  Lethargie

Ø  Zungenbelag/Mundgeruch

 

Ø  Gesundes Stuhlverhalten, täglich am besten morgens, ohne Anstrengung oder unangenehmen Empfindungen

Ø  Danach Gefühl von Leichtigkeit.

Ø  mittelharte Konsistenz

Ø  mittelbraune Farbe

Ø  frei von fauligen und unangenehmen Gerüchen

Ø  ohne Nahrungsreste

Ø  Stuhl sollte auf der Wasseroberfläche bleiben, nicht absinken

 

Welche Heilpflanzen können helfen?

Eine gute Darmflora entsteht, wenn die Ernährung gut ist und das Zusammenspiel aller Verdauungsorgane optimal funktioniert.

  • Ingwer ist gut bei Verschleimungen, Appetitlosigkeit und Resorptionsstörungen.
  • Schwarzer Pfeffer – wichtig bei Halsschmerzen (mit Honig) und Rheuma.
  • Kreuzkümmel – Ama (Schlacken) vernichtend, regulierend bei Durchfällen, ohne zu stopfen, mild in der Wirkung. Für alle Konstitutionen geeignet.
  • Kurkuma – mildes, verdauungsförderndes Gewürz. Besonders bei Halsschmerzen als Paste auftragen oder mit heißem Wasser gurgeln.
  • Amalaki reinigt und regeneriert die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt, lindert Sodbrennen.
  • Nelkentee: Zubereitung

8-10 Gewürznelken und im Mörser zerstoßen. Danach in eine große Thermoskanne geben und mit 0,75-1 Liter kochendem Wasser übergießen und schließen.
Über den Tag verteilt in kleinen Schlucken trinken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei chronischen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (beispielsweise Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Gastritis, Übergewicht, Diabetes mel. II, Reizdarm etc.), kann eine medizinisch angeleitete Therapie mit Ayurvedischen Kräuterpräparaten und Anwendungen sehr gute und dauerhafte Erfolge erzielen.

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